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Cello üben
Schott-Verlag, 1987, 2000
Gerhard Mantel beschreibt in diesem Buch die vielfältigen
mentalen, psychischen und körperlichen Aspekte des Abenteuers
"Üben". Der Autor versucht dabei, in weiter Auffächerung
instrumentale Einzelprobleme bewußtem Üben zugänglich
und damit spontanem künstlerischem Ausdrucksbedürfnis
verfügbar zu machen. Der vieldiskutierte Gegensatz zwischen
Detail-Bewußtheit und ganzheitlicher Intuition erweist
sich dabei als Scheinproblem: Intuition und bewußtes Üben
ergänzen, ja bedingen einander.
Ohne künstlerisches Gesamtbild, also ohne Intuition
können gar keine Kriterien für das Üben entstehen
und ohne die Verfügbarkeit aller technischen, vor allem
auch klangtechnischen Möglichkeiten kann ein klares künstlerisches
mentales Vorstellungsbild nicht verwirklicht werden, ja noch
nicht einmal eindeutig in seinen klanglichen Konturen entstehen.
Sinnvolles Üben ist daher immer auch musikalisches Üben;
dieses wiederum erschließt sich ganz nur über Körperempfindungen.
Die musikalische Geste, als körperlicher Ausdruck musikalischen
Erlebens, fließt im geübten musikalischen Spiel
mit funktionalen Instrumentalbewegungen zusammen, der Kreis
schließt sich.
Bei der Untersuchung solcher "Klangbewegungen"
fallen einige unorthodoxe Erkenntnisse ab. Das Dogma des rechten
Winkels zwischen Bogen und Saite z. B. wird ersetzt durch
eine detaillierte Beschreibung von Möglichkeiten und
Grenzen gerade der Abweichung vom rechten Winkel. Nicht eine
stereotype Haltung, sondern die bewegliche Anpassung an blitzschnell
wechselnde Anforderungen steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Jeder Streicher ist eingeladen, die klanglichen Konsequenzen
selbst sofort am Instrument auszuprobieren. Haltungen sind
nicht Ausgangspunkt, sondern Durchlauf-Stationen von Bewegung.
Der Autor leuchtet außerdem in die mentalen Prozesse
des Übens, etwa bei "schweren Stellen", und
gibt dabei Hinweise für die Aufbereitung des Übestoffes
im Hinblick auf ein auch zeitlich ökonomisches Üben.
Das hierbei beobachtete "Prinzip der rotierenden Aufmerksamkeit"
trägt den Grenzen menschlicher Konzentrationsfähigkeit
Rechnung und erlaubt einen stufenweise zu erreichenden, sicheren
und jederzeit kontrollierbaren Aufbau einer technisch tragfähigen
und künstlerisch überzeugenden Interpretation. Inspiration
wird so nicht abgewartet, sondern provoziert.
Das Inhaltsverzeichnis von Cello Üben finden Sie hier.
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